Linkshänder, Beidhänder? Einflüsse auf die Führungshand.

Aus biologischer Sicht ist Linkshändigkeit der Ausdruck einer Dominanz im Bereich der rechten Gehirnhälfte. Dieser Bereich steuert die Bewegungen der linken Hand. Die Händigkeit ist angeboren und wird mit großer Wahrscheinlichkeit vererbt. Es scheint mehrere genetische, auch epigenetische Faktoren zu geben.

Die Dominanz in der rechten Hirnhemisphäre führt bei ungestörter Entwicklung zur natürlichen Bevorzugung der linken Hand. Analoges gilt für die Entwicklung der Rechtshändigkeit und der linken Hirnhemisphäre. Die Händigkeit zeigt sich am besten bei Tätigkeiten, die viel feinmotorisches Geschick erfordern und nicht durch kulturelle Etikette oder Erziehung beeinflusst sind. So ist der Gebrauch der rechten und linken Hand soziokulturellen Einflüssen unterworfen. Besonders beim Essen und Schreiben als Kulturtechniken ist in einigen Kulturen der Gebrauch der rechten Hand erwünscht. Weiterhin imitieren Kinder oft den Handgebrauch von Menschen, an denen sie sich orientieren. Dieser zweite Einflussfaktor führt bei linkshändigen Kindern öfter zu wechselnder Handbevorzugung („Beidhändigkeit“). Fehlende Gebrauchsgegenstände und Werkzeuge für Linkshänder tragen als dritter großer Einflussfaktor dazu bei, dass Linkshänder öfter die Führungshand wechseln und beidhändig wirken.

Schreibt ein Linkshänder mit der rechten Hand, nennt man ihn umgeschulter Linkshänder. Das dauerhafte Schreiben mit rechts wirkt direkt und schwächend auf die gesunde Lateralität (Arbeitsteilung) im Gehirn. Es kann zu Störungen führen, sog. Umschulungsfolgen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Betreffende die rechte Hand aus eigenem Antrieb wählt oder durch freundliches Zureden, Belohnung, psychische oder körperliche Gewalt.

Der vierte Einflussfaktor auf die Händigkeit sind angeborene, krankheits- oder unfallbedingte neurologische Defizite auf einer Körperseite, die zum Schreiben mit der nicht dominanten Hand führen und Umschulungssymptome auslösen können. Diese Art Umschulung betrifft Rechtshänder gleichermaßen wie Linkshänder. Sie belastet Menschen, die z.B. gerade einen Unfall oder einen Schlaganfall hatten noch zusätzlich, wenn sie ihre Schreibhand umstellen müssen.

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Das umgeschulte Gehirn

Das bringt ein Training der rechten Hand bei Linkshändern: links bleibt links.

 Eine Studie untersuchte, wie sich die Umschulung zum Schreiben mit der rechten Hand auf das Gehirn von Linkshändern auswirkt. Die Neurowissenschaftler verglichen dazu die Gehirne von Linkshändern, umgeschulten Linkshändern und Rechtshändern. Es wurden Aufzeichnungen mittels funktioneller Magnetresonanztomografie gemacht, während die Versuchspersonen einfache Fingerbewegungen mit der linken und der rechten Hand ausführten.

Die Bilder zeigten, dass die Umschulung bestimmte oberflächliche Gehirnstrukturen verändert. Davon waren Händigkeitsexperten schon lange Zeit überzeugt. Die bahnbrechende Entdeckung war jedoch, dass die Umschulung keinerlei Auswirkungen auf sensomotorische Areale höherer Ordnung hat. Dies bedeutet, dass die Basis der Händigkeit ein Leben lang unveränderlich ist. Das wurde zum ersten Mal direkt am Gehirn nachgewiesen. Linkshändigkeit kann nicht zur Rechtshändigkeit umtrainiert werden – und umgekehrt.

Dies zeigt aber auch, dass die Plastizität des Gehirns beim Versuch, die Händigkeit zu ändern, eine deutliche Grenze markiert. Die Händigkeit ist also nicht nur eine zufällige, trainierbare motorische Fähigkeit, sondern hat die Dimension eines Persönlichkeitsmerkmals. Und Merkmale lassen sich eben nicht grundsätzlich verändern.

https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.1299-07.2007

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Linkshändigkeit und Wahrnehmung

Linkshänder wissen, dass links richtig ist.

Die Händigkeit beeinflusst, wie wir Objekte wahrnehmen, ob wir sie attraktiv finden und sogar, ob wir sie kaufen würden. In einer Studie australischer Psychologen wurden die unbewussten Blickbewegungen von Rechts- und Linkshändern beim Betrachten von Werbung für Alltagsprodukte aufgezeichnet. Danach wurden die Versuchspersonen gefragt, wie attraktiv die Gegenstände für sie waren. Linkshändige Personen fanden Gegenstände unbewusst attraktiver und für sie wertvoller, die in der Abbildung so präsentiert waren, dass die Orientierung für ein Greifen mit links richtig war. Die Blickbewegungen der Linkshänder waren besonders stark durch die rechts- oder linksseitige Orientierung des Griffs eines Objekts beeinflusst. Linkshänder gaben auch an, eine größere zukünftige Kaufabsicht zu haben, wenn die Präsentation des Alltagsgegenstands ihrer Ergonomie entsprach. All dies waren implizite Vorgänge, d.h. den linkshändigen Versuchspersonen war nicht bewusst, warum sie so entschieden.

Interessant ist, dass Rechtshänder wesentlich schwächer händigkeitsabhängig reagierten. Vermutlich, weil es in unserer Gesellschaft die Norm ist, dass Alltagsgegenstände für rechtshändigen Gebrauch geeignet sind? Linkshänder lernen im Laufe ihrer Entwicklung mehr oder weniger schmerzhaft, das nicht alle Gegenstände mit links benutzbar sind und sie lieber erst einmal prüfen sollten, ob dies zutrifft. Und das geschieht dann unbewusst und ganz automatisch.

https://doi.org/10.1371/journal.pone.0218988

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Herzlich Willkommen auf meinem Blog zum Thema Linkshändigkeit. Es erwartet Sie Neues aus Wissenschaft und Gesellschaft, Fakten, Kritik, meine beruflichen Einschätzungen und nicht zuletzt meine persönliche Meinung als Linkshänderin.

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