Linkshändigkeit – ein Persönlichkeitsmerkmal unter soziokulturellem Einfluss

Aus biologischer Sicht ist Linkshändigkeit der Ausdruck einer Dominanz im Bereich der rechten Gehirnhälfte. Dieser Bereich steuert die Bewegungen der linken Hand. Die Händigkeit ist angeboren und wird mit großer Wahrscheinlichkeit vererbt. Es scheint mehrere genetische, auch epigenetische Faktoren zu geben.

Die Dominanz in der rechten Hirnhemisphäre führt bei ungestörter Entwicklung zur natürlichen Bevorzugung der linken Hand. (Analoges gilt für die Entwicklung der Rechtshändigkeit und der linken Hirnhemisphäre). Die Händigkeit zeigt sich am besten bei Tätigkeiten, die viel feinmotorisches Geschick erfordern und nicht durch kulturelle Etikette oder Erziehung beeinflusst sind. Der Handgebrauch – nicht dagegen die Händigkeit – ist sozio-kulturellen Einflüssen unterworfen. Besonders beim Essen und Schreiben als Kulturtechniken ist in einigen Kulturen der Gebrauch der rechten Hand erwünscht und wird unterschiedlich stark forciert. Dazu kommt, dass Kinder vieles über das natürliche Nachahmungsverhalten lernen, warum sich bei linkshändigen Kindern öfter als bei Rechtshändern eine wechselnde Handbevorzugung entwickelt („Beidhändigkeit“). Fehlende Gebrauchsgegenstände und Werkzeuge für Linkshänder tragen dazu bei, dass Linkshänder die Hand wechseln und dadurch feinmotorische Probleme entwickeln. Im ungünstigsten Fall führen die genannten Einflüsse zum Schreiben mit der rechten Hand mit mehr oder weniger ausgeprägter Umschulungssymptomatik.

Schreibt ein Linkshänder mit der rechten Hand, nennt man ihn umgeschulter Linkshänder. Das dauerhafte Schreiben mit rechts wirkt direkt und schwächend auf die gesunde Lateralität (Arbeitsteilung) im Gehirn. Es kann zu Störungen führen, sog. Umschulungsfolgen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Betreffende aus eigenem Antrieb die rechte Hand wählt oder durch freundliches Zureden, Belohnung, psychische oder körperliche Gewalt.

Nicht zu vergessen sind angeborene, krankheits- oder unfallbedingte neurologische Defizite auf einer Körperseite, die zum Schreiben mit der nicht dominanten Hand führen und Umschulungssymptome auslösen können. Diese Art Umschulung betrifft Rechtshänder gleichermaßen wie Linkshänder. Sie belastet Menschen, die z.B. gerade einen Unfall oder einen Schlaganfall hatten noch zusätzlich, wenn sie ihre Schreibhand umstellen müssen.