Die Rückschulung eines umgeschulten, umerzogenen (oder unerkannten) Linkshänders ist ein Prozess, der Motorik, Gehirn und Psyche betrifft. Weil die Umschulung Auswirkungen auf diese drei Bereiche hatte, darf im Rückschulungsprozess kein Bereich vergessen werden. Wie die Auswirkungen im Einzelnen aussehen, ist sehr individuell und wird von mir entsprechend individuell betrachtet. Dies ist der Ansatz, nach dem ich mit meinen Klienten arbeite.

Wie sich im Prozess des Schreibenlernens mit links die umschulungsbedingten Fehlbelastungen Ihres Gehirns verändern, werden wir gemeinsam sorgfältig im Blick behalten. Wir werden darauf sensibel reagieren: durch Veränderung des Programms, ein Mehr oder Weniger an Übungen. Dadurch kann es zu keiner Überforderung kommen. Die Rückschulung muss sich an Sie anpassen, nicht umgekehrt. Sie kommen schneller ans Ziel, wenn Sie sich Zeit lassen. Viele Rückschulungen auf eigene Faust scheitern an den Folgen von Überforderung.

Der Anteil der Motorik: Er betrifft natürlich alles, was mit dem Schreibenlernen mit links zu tun hat. Die Grafomotorik Ihrer linken Hand wird aufgebaut, ausgehend von Ihrem individuellen Stand.

Der Anteil des Gehirns: Die Rückschulung zum Schreiben mit links verändert Strukturen im Gehirn, die damit verknüpft sind. Diese Bereiche sind mit anderen vernetzt, so dass das Schreibenlernen mit links Blockaden lösen kann und Fehlbelastungen reduzieren. Unser Gehirn ist tagtäglich dabei, sich zu verändern und unserem Leben anzupassen. Lassen Sie sich deshalb keine Angst machen, sich rückzuschulen. Noch bis ins hohe Alter sind wir in der Lage zu lernen. Auch die Rückschulung ist ein Lernprozess, der an schon bestehende, bisher wenig genutzte Hirnstrukturen anknüpft. Ich empfehle Ihnen jedoch dringend, sich nicht allein auf den Weg zu machen und vor allem nicht sofort mit dem Schreiben mit links zu beginnen. 

Der psychische Anteil – eine Art „Rückschulung der Persönlichkeit“ – betrifft die Entfaltung der unterdrückten linkshändigen Persönlichkeitsanteile durch die Befreiung von selbstschädigenden Haltungen und Verhaltensmustern. Viele Betroffene wünschen sich sehnlichst, durch die Rückschulung endlich der zu werden, der sie sind. Aber ein Training der linken Hand kann weder psychische Umschulungsfolgen heilen, noch unterdrückte Persönlichkeitsanteile integrieren. Diese weit verbreitete Prognose führt oft zu großen Enttäuschungen, wenn sich Betroffene Jahre nach der Rückschulung fragen, was sie tatsächlich gebracht hat und was davon von Dauer war.

Weitere Informationen zur „Rückschulung der Persönlichkeit“ finden Sie im Abschnitt Therapie und Inner Coaching.

Bei Fragen erreichen Sie mich am schnellsten über das Kontaktformular.

Ablauf

Im Verlauf eines Jahres sind etwa 6 Termine notwendig, individuelle Änderungen sind möglich. Eine Rückschulungsbegleitung ist phasenweise auch telefonisch und online mit Unterstützung von Skype möglich.

1. Termin: Durch meine gezielten Fragen können wir alle individuellen Umschulungsfolgen zusammenstellen. Anschließend klären wir eine Reihe von Fragen:

  • Wie wirken sich die Umschulungsfolgen aktuell in Ihrem Alltag aus?
  • Was davon stört Sie besonders?
  • Welche Erwartungen und Wünsche haben Sie an die Rückschulung?
  • Bestehen körperliche und/oder psychische Schwachpunkte, auf die wir bei der Zusammenstellung des Übungsprogramms Rücksicht nehmen müssen?
  • Wie steht Ihr Umfeld zu Ihrem Entschluss sich rückzuschulen?
  •  Welche Voraussetzungen bringt Ihre linke Hand mit, wie locker und geschickt ist sie bereits heute im Umgang mit Stiften?
  • Wieviel Zeit haben Sie für die Übungen?
  • Ein erstes Übungsprogramm wird festgelegt, das auf Ihre persönlichen Gegebenheiten Rücksicht nimmt.
  • wir besprechen sinnvolle Ausgleichs- und Entspannungsmaßnahmen und vereinbaren den 2. Termin im Abstand von 6 Wochen. Sollten sich früher Fragen ergeben, können Sie sich selbstverständlich zwischendurch – auch telefonisch – kurz bei mir melden. Das ist zu Beginn der Rückschulung häufiger der Fall, wenn alles noch ungewohnt ist und die Übungen erste Wirkungen zeigen.

2.-5. Termin: Wir besprechen Ihre Fortschritte bezüglich der graphomotorischen Fähigkeiten Ihrer linken Hand und wie es Ihnen mit dem Übungsprogramm ergangen ist. Wie fühlt sich die Rückschulung an, welche Wirkungen und Nebenwirkungen können Sie an sich beobachten. Wenn sich die Rückschulung bei Ihnen als Türöffner für emotionale Veränderungsprozesse erweist, können Sie parallel einige gesprächs- oder musiktherapeutische Sitzungen vereinbaren. Wir besprechen die Fortführung des Übungsprogramms, abgestimmt auf Ihre Erfahrungen mit den letzten Übungen.

6. Termin: Wir schauen zurück auf das vergangene Jahr Rückschulung. Wie zufrieden sind Sie heute mit Ihrer Schrift und der Schreibgeschwindigkeit? Hat die Rückschulung die Erwartungen erfüllt, die Sie an unserem ersten Termin formuliert haben?